Start & GründungStart7 Min. Lesezeit22. März 2026
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Einzelfirma gründen in der Schweiz: Schritt für Schritt

So gründest du in der Schweiz eine Einzelfirma: Voraussetzungen, AHV, Handelsregister, Kosten, Zeitaufwand, Name und häufige Fehler.

Einzelfirma gründen in der Schweiz: Das Wichtigste in Kürze

Die Einzelfirma ist für viele Solo-Selbständige in der Schweiz der einfachste Einstieg. Du brauchst kein Mindestkapital, in der Regel keinen Notar und kannst deine Tätigkeit grundsätzlich sofort aufnehmen. Die wirklich wichtigen Punkte sind:

  • die Anerkennung als selbständig erwerbend durch die Ausgleichskasse
  • der Handelsregistereintrag ab grundsätzlich CHF 100'000 Jahresumsatz
  • die MWST-Pflicht ab grundsätzlich CHF 100'000 Umsatz
  • die persönliche Haftung mit dem Privatvermögen

Wenn du allein startest, wenig Haftungsrisiko hast und schlank loslegen willst, ist die Einzelfirma oft die beste erste Rechtsform.

Wann ist die Einzelfirma die richtige Rechtsform?

Die Einzelfirma passt besonders gut, wenn du:

  • alleine startest
  • als Freelancer, Beraterin, Entwickler, Coach oder Dienstleister arbeitest
  • ohne Stammkapital loslegen willst
  • die Administration bewusst einfach halten möchtest
  • zuerst Markt, Preise und Prozesse testen willst

Sie passt oft weniger gut, wenn du:

  • hohe Haftungsrisiken trägst
  • sofort mit Partnern startest
  • Investoren, Beteiligungen oder Mitarbeitende planst
  • dein Privatvermögen stärker abschirmen musst

Für den Vergleich hilft dir Einzelfirma oder GmbH in der Schweiz.

Die drei grossen Missverständnisse bei der Einzelfirma

1. "Ich brauche nur einen Namen und kann loslegen"

Nicht ganz. Der Name ist nur ein Teil. Die wichtigere Frage ist, ob deine Tätigkeit sozialversicherungsrechtlich als selbständig anerkannt wird.

2. "Unter CHF 100'000 muss ich nichts beachten"

Falsch. Auch unterhalb dieser Schwelle musst du Buchhaltung, Rechnungen, AHV und Steuern sauber aufsetzen.

3. "Einzelfirma heisst automatisch risikolos"

Auch falsch. Die Einzelfirma ist einfach, aber du haftest grundsätzlich persönlich.

Voraussetzungen für die Einzelfirma

In der Praxis brauchst du vor allem:

  • eine tatsächlich ausgeübte oder konkret anlaufende Erwerbstätigkeit
  • Handlungsfähigkeit
  • bei Bedarf die nötigen Berufsbewilligungen
  • eine Tätigkeit, die als selbständig anerkannt werden kann

Laut KMU-Portal entsteht das Einzelunternehmen durch die Aufnahme der dauernden wirtschaftlichen Tätigkeit. Für die AHV-Anerkennung sind typischerweise wichtig:

  • eigener Marktauftritt
  • Rechnungsstellung im eigenen Namen
  • eigenes wirtschaftliches Risiko
  • organisatorische Unabhängigkeit
  • idealerweise mehrere Auftraggeber

Firmenname: Was ist erlaubt?

Für eingetragene Einzelfirmen gelten klare Regeln. Gemäss KMU-Portal:

  • der Familienname ist zwingender Bestandteil
  • Zusätze sind erlaubt
  • der Name darf nicht täuschen
  • der Name darf kein Gesellschaftsverhältnis vortäuschen

Praktische Beispiele:

  • Müller Webdesign
  • Anna Meier Beratung
  • Keller IT Services

Vor dem Start solltest du den Namen in Zefix prüfen.

Einzelfirma gründen: Schritt für Schritt

Schritt 1: Angebot und Einsatzbereich definieren

Bevor du Formulare ausfüllst, musst du wissen:

  • was du verkaufst
  • an wen du verkaufst
  • wie du abrechnest
  • ob du nebenberuflich oder voll startest

Wenn du noch unsicher bist, hilft dir zuerst der breite Guide Selbständig machen in der Schweiz.

Schritt 2: Rechtsform bewusst bestätigen

Prüfe noch einmal ehrlich:

  • bist du allein unterwegs?
  • ist dein Haftungsrisiko überschaubar?
  • brauchst du kein Stammkapital?
  • willst du tiefen administrativen Aufwand?

Wenn du hier mehrheitlich mit Ja antwortest, ist die Einzelfirma oft passend.

Schritt 3: Name und Auftritt vorbereiten

Für die Praxis wichtiger als das Logo sind:

  • sauberer Name
  • klare Tätigkeitsbeschreibung
  • E-Mail und Kontaktangaben
  • Website, Portfolio oder Profil

Diese Punkte helfen auch für die AHV-Anmeldung.

Schritt 4: AHV-Unterlagen sammeln

Die Ausgleichskasse will sehen, dass du nicht nur eine Idee hast, sondern eine echte selbständige Tätigkeit aufbaust. Hilfreich sind:

  • Offerten
  • Verträge oder Auftragsbestätigungen
  • erste Rechnungen
  • Website oder Portfolio
  • Nachweise über Tools, Geräte oder Infrastruktur

Schritt 5: Bei der Ausgleichskasse anmelden

Selbständigerwerbende melden sich selbst bei der zuständigen Ausgleichskasse an. Diese prüft deinen Status und setzt Akontobeiträge fest.

Mehr dazu im Guide AHV und Sozialversicherungen für Selbständige.

Schritt 6: Handelsregister richtig einordnen

Laut KMU-Portal ist der Eintrag für Einzelfirmen grundsätzlich Pflicht:

  • bei einem nach kaufmännischer Art geführten Gewerbe
  • wenn der Jahresumsatz CHF 100'000 übersteigt

Darunter ist der Eintrag meist freiwillig. Ein freiwilliger Eintrag kann sinnvoll sein, wenn du:

  • professioneller auftreten willst
  • den eingetragenen Firmennamen schützen willst
  • mit Banken oder grösseren Geschäftskunden arbeitest

Schritt 7: MWST früh mitdenken

Auch wenn du zu Beginn oft noch nicht MWST-pflichtig bist, solltest du früh wissen:

  • ob du auf CHF 100'000 Umsatz zusteuerst
  • ob eine freiwillige Unterstellung Sinn macht
  • wie deine Rechnungen später aussehen müssen

Zum Detail: Mehrwertsteuer (MWST) für Selbständige.

Schritt 8: Konto, Rechnungen und Buchhaltung aufsetzen

Vor der ersten Rechnung solltest du bereits haben:

  • ein separates Geschäftskonto oder mindestens eine klare Trennung
  • eine Rechnungsvorlage oder ein Rechnungsprogramm
  • eine Belegablage
  • eine einfache Buchhaltungsroutine

Weiterführend:

Kosten: Was kostet eine Einzelfirma?

Die Einzelfirma ist rechtlich günstig. Die grösseren Kosten entstehen meist im Setup.

PositionTypischer RahmenEinordnung
MindestkapitalCHF 0keine Kapitaleinlage nötig
Handelsregister-Grundgebührgemäss KMU-Portal ca. CHF 80plus Zusatzkosten
Beglaubigungen / Zusatzaufwandje nach Kanton und Fallnicht immer nötig
Konto, Domain, Softwareunterschiedlichoperatives Setup
Versicherungenstark branchenabhängigindividuell prüfen

Zeitaufwand: Wie schnell geht die Gründung?

Der formelle Start ist schnell. Zeit kosten vor allem unsaubere Vorarbeiten.

SchrittRealistischer Aufwand
Angebot, Tätigkeit, Name schärfeneinige Stunden bis 2 Tage
Nachweise für AHV zusammenstelleneinige Stunden
Anmeldung bei Kasse und allfällige Rückfragenje nach Kasse unterschiedlich
Setup von Konto, Rechnungen, Buchhaltung0.5 bis 1 Tag

Häufige Fehler

1. Nur mit einem Kunden zu starten und die AHV-Anerkennung als sicher anzunehmen

Gerade zu Beginn ist das einer der heikelsten Punkte.

2. Den Namen festzulegen, ohne Zefix und Registerlogik zu prüfen

Das führt später zu unnötiger Reibung.

3. Die persönliche Haftung zu unterschätzen

Die Einzelfirma ist nicht einfach eine "kleine GmbH", sondern eine andere Haftungslogik.

4. Rechnungen zu schreiben, bevor Nummerierung und Pflichtangaben sauber sind

Dann wird aus dem simplen Start schnell Chaos.

5. MWST und Buchhaltung erst am Jahresende ernst zu nehmen

Das wird regelmässig unnötig teuer.

Checkliste: Einzelfirma gründen in der Schweiz

  • Angebot und Zielgruppe definieren
  • prüfen, ob die Einzelfirma wirklich passt
  • Namen in Zefix prüfen
  • Marktauftritt und Unterlagen vorbereiten
  • Anmeldung bei der Ausgleichskasse anstossen
  • Handelsregisterpflicht oder freiwilligen Eintrag prüfen
  • MWST-Schwelle im Blick behalten
  • Geschäftskonto und Rechnungsprozess einrichten
  • Buchhaltung und Belegablage aufsetzen

FAQ

Brauche ich für eine Einzelfirma ein Startkapital?

Nein. Für die Einzelfirma gibt es kein Mindestkapital.

Muss ich sofort ins Handelsregister?

Nein. Für Einzelfirmen wird der Eintrag grundsätzlich ab CHF 100'000 Jahresumsatz Pflicht. Darunter ist er häufig freiwillig.

Muss mein Familienname im Firmennamen vorkommen?

Bei der eingetragenen Einzelfirma ja. Der Familienname ist zwingender Bestandteil, Zusätze sind erlaubt.

Bin ich automatisch selbständig, sobald ich eine Rechnung schreibe?

Nein. Entscheidend ist die Beurteilung der tatsächlichen Situation durch die Ausgleichskasse.

Ist die Einzelfirma die beste Lösung für alle?

Nein. Sie ist oft der beste Start für Solo-Selbständige, aber nicht automatisch für risikoreiche, investitionsintensive oder teamorientierte Vorhaben.

Quellen

Als Nächstes lesen

Empfohlene nächste Leitfäden auf Basis von Cluster und Einordnung.

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