Kunden & AufträgeWachstum3 Min. Lesezeit19. März 2026
Cluster: Kunden & AufträgeStufe: Wachstum

Stundensatz berechnen als Freelancer

So kalkulierst du einen realistischen Stunden- oder Tagessatz mit Kosten, Auslastung, Steuern und Gewinnmarge.

Warum der Stundensatz mehr ist als ein Bauchgefühl

Viele Freelancer setzen ihren Preis zu tief an, weil sie nur ihre Wunsch-Einnahme sehen, aber nicht ihre echten Kosten, Ausfallzeiten und Steuerlast. Ein realistischer Stundensatz verhindert, dass du trotz voller Auslastung zu wenig verdienst.

Der richtige Preis ist nicht einfach "was der Markt zahlt", sondern was dein Geschäftsmodell tragen muss.

Die Grundformel

Eine brauchbare Kalkulation folgt dieser Logik:

Jahresziel-Einkommen + Geschäftskosten + Steuerrücklage + Puffer = benötigter Jahresumsatz

Dann teilst du diesen Betrag durch deine verkaufbaren Stunden pro Jahr.

Die entscheidende Variable ist nicht die theoretische Vollzeit, sondern die realistisch verkaufbare Zeit.

FaktorWas du einrechnen solltest
Urlaub und KrankheitNicht abrechenbare Zeit
Akquise und OffertenNicht direkt fakturierbar
AdministrationRechnungen, Buchhaltung, E-Mails
WeiterbildungMarkt- und Fachwissen
PufferSchwankende Auslastung

Ein Beispiel

Angenommen, du willst privat und geschäftlich zusammen ein Einkommen und einen Puffer erreichen, der dein Modell trägt.

Beispiel:

  • gewünschtes persönliches Einkommen: CHF 90'000
  • laufende Geschäftskosten: CHF 20'000
  • Reserve für Steuern und Sozialabgaben: CHF 25'000
  • Risikopuffer: CHF 10'000

Dann brauchst du ungefähr CHF 145'000 Umsatz.

Wenn du realistisch nur 1'000 Stunden im Jahr fakturierst, ergibt das einen Mindeststundensatz von CHF 145.

Tipp: Viele rechnen mit 1'600 oder 1'800 Stunden pro Jahr, obwohl sie tatsächlich deutlich weniger abrechenbar sind. Genau dort entstehen falsche Preise.

Stunden-, Tages- oder Projektpreis?

Der Stundensatz ist ein Ausgangspunkt, aber nicht immer die beste Preislösung.

ModellVorteilRisiko
StundensatzEinfach nachvollziehbarBelohnt langsames Arbeiten nicht
TagessatzGut für Beratungs- und ProjektarbeitKann bei langen Projekten zu billig sein
ProjektpreisErgebnisorientiertKalkulation muss sehr sauber sein

Wenn du viel wiederholbare Arbeit machst, kann ein Projektpreis profitabler sein als ein Stundenmodell.

Was du in den Preis einbauen musst

Ein sauberer Preis enthält mehr als nur dein Wunschgehalt:

  • Sozialversicherungen
  • Steuern
  • Tools und Software
  • Bürokosten
  • Akquise und Marketing
  • unbezahlte Verwaltungszeit
  • Risiko und Ausfallzeiten

Wenn du das ignorierst, subventionierst du deine Kunden mit deiner Freizeit.

Wann du den Preis erhöhen solltest

Preiserhöhungen sind normal und gehören zu einem gesunden Geschäftsmodell.

Typische Auslöser:

  • du bist dauerhaft ausgelastet
  • deine Nachfrage ist gestiegen
  • dein Leistungsumfang ist klarer geworden
  • deine Fixkosten haben sich erhöht
  • du bringst mehr Erfahrung oder Spezialisierung mit

Wer seinen Preis nie anpasst, arbeitet irgendwann unter Wert.

Häufige Fehler

  • den Marktpreis kopieren, ohne die eigenen Kosten zu kennen
  • nur fakturierbare Stunden zählen
  • Steuern und Sozialabgaben vergessen
  • private Ausgaben nicht einkalkulieren
  • zu niedrige Preise aus Angst vor Ablehnung setzen

Praktische Faustregel

Wenn du keine saubere Kalkulation hast, ist dein Preis meistens zu tief.

Ein guter Stundensatz ist der, bei dem du:

  • deine Kosten deckst
  • Rücklagen bilden kannst
  • einen echten Gewinn erwirtschaftest
  • nicht jedes Jahr neu improvisieren musst

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