Kunden & AufträgeWachstum9 Min. Lesezeit19. März 2026
Cluster: Kunden & AufträgeStufe: Wachstum

Stundensatz berechnen als Freelancer in der Schweiz

So kalkulierst du als Freelancer in der Schweiz einen tragfähigen Stunden-, Tages- oder Projektpreis mit Zielnetto, Auslastung, AHV und Steuern.

Stundensatz berechnen als Freelancer: Das Wichtigste in Kürze

Der richtige Stundensatz ist keine Marktmeinung, sondern das Ergebnis deiner Kalkulation. Für Freelancer in der Schweiz reicht es nicht, nur Wunschlohn und Konkurrenzpreise anzuschauen. Du musst mindestens diese Punkte einrechnen:

  • dein gewünschtes Zielnetto
  • Geschäftskosten
  • Reserve für AHV/IV/EO
  • Reserve für Steuern
  • Ferien, Krankheit, Akquise, Administration und Leerlauf

Wenn du das ignorierst, ist dein Stundensatz fast immer zu tief. Ein tragfähiger Preis muss nicht nur heute einen Auftrag gewinnen, sondern dein Modell ein ganzes Jahr lang tragen.

Gerade wenn du erst im Nebenerwerb startest, ist diese Kalkulation besonders wichtig. Die operative Startphase dazu findest du im Guide Nebenberuflich selbständig in der Schweiz.

Warum Durchschnittswerte allein nicht reichen

Wer nach stundensatz freelancer schweiz sucht, landet oft bei Studien, Recruiting-Seiten oder Plattformwerten. Diese Zahlen können interessant sein, aber sie beantworten nicht die wichtigste Frage:

Welchen Satz brauchst du, damit dein eigenes Modell funktioniert?

Durchschnittswerte helfen höchstens bei der Einordnung. Sie ersetzen nicht:

  • dein Zielnetto
  • deine Kostenstruktur
  • deine fakturierbare Zeit
  • deine private Situation
  • deinen Kanton und deine Steuerlast

Praxisregel: Marktwerte sind ein Plausibilitätscheck. Deine Kalkulation ist die Entscheidungsgrundlage.

Das Schweizer Kalkulationsmodell

Für Solo-Selbständige in der Schweiz ist diese Logik praxistauglich:

SchrittFrage
1Wie viel Geld willst du privat netto pro Jahr zur Verfügung haben?
2Welche Geschäftskosten fallen pro Jahr realistisch an?
3Wie viel Reserve brauchst du für AHV/IV/EO?
4Wie viel Reserve brauchst du für Steuern?
5Wie viele Stunden kannst du pro Jahr wirklich fakturieren?

Grundformel

Benötigter Jahresumsatz = Zielnetto privat + Geschäftskosten + AHV-Reserve + Steuerreserve + Unternehmerpuffer

Stundensatz = benötigter Jahresumsatz / fakturierbare Stunden pro Jahr

Der kritische Denkfehler ist fast immer derselbe: Viele rechnen mit theoretischen Vollzeitstunden, aber nicht mit der Realität des Freelancer-Alltags.

So berechnest du deine fakturierbaren Stunden

Nicht jede Arbeitsstunde ist verkaufbar. Ferien, Krankheit, Offerten, Buchhaltung, Weiterbildung und Leerlauf gehören in die Kalkulation.

Beispiel für ein realistisches Jahresmodell

PositionTage pro JahrStundenlogik
Kalendertage Montag bis Freitagca. 260Rohbasis
Ferien-25keine fakturierbaren Stunden
Feiertage-9abhängig von Kanton und Wohnort
Krankheit / Ausfälle-5konservativ gerechnet
Weiterbildung / Strategie-10wichtig, aber nicht direkt fakturierbar
Administration / Buchhaltung-12Rechnungen, Offerten, E-Mails, Orga
Akquise / Vertrieb / Follow-up-18Verkauf ist Pflichtarbeit
Leerlauf / Projektübergänge-15in der Praxis fast immer vorhanden
Fakturierbare Tageca. 166realistische Grössenordnung

Wenn du pro fakturierbarem Tag im Schnitt nur 6 bis 6.5 echte Kundenstunden verrechnen kannst, landest du ungefähr bei:

  • 996 Stunden pro Jahr bei 6.0 Stunden pro Tag
  • 1'079 Stunden pro Jahr bei 6.5 Stunden pro Tag

Wichtig: Wer mit 1'600 oder 1'800 verrechenbaren Stunden rechnet, unterschätzt seinen Satz oft massiv.

Welche Kosten in den Stundensatz gehören

Ein Freelancer-Stundensatz muss mehr tragen als nur deinen Privatlohn.

Betriebskosten, die oft vergessen gehen

KostenblockTypische Beispiele
Software und ToolsDesign-, Dev-, KI-, Buchhaltungs- und Kommunikations-Tools
HardwareLaptop, Monitor, Kamera, Zubehör
KommunikationMobiltelefon, Internet, Cloud
Marketing und AkquiseWebsite, Domain, Ads, Networking, Content
WeiterbildungKurse, Konferenzen, Fachliteratur
Buchhaltung und TreuhandSoftware, Beratung, Jahresabschluss
VersicherungBerufshaftpflicht, Krankentaggeld, freiwillige Unfalllösung
Zahlungs- und BankkostenGeschäftskonto, Karten, Fremdwährungsgebühren

Dazu kommen zwei Rücklage-Blöcke, die nie fehlen dürfen:

  • AHV/IV/EO
  • Steuern

Mehr dazu findest du in:

Wie viel Reserve du für AHV und Steuern einplanen solltest

Hier ist Vorsicht wichtiger als falsche Exaktheit. Deine effektive Belastung hängt von Kanton, Gemeinde, Familienstand und Vorsorge ab. Für die operative Kalkulation arbeiten viele Freelancer deshalb mit konservativen Reserven.

BlockPraktische Daumenregel
AHV/IV/EObei mittleren bis höheren Einkommen grob um 10 % des relevanten Erwerbseinkommens mitdenken
Steuernje nach Kanton und Situation oft grob 20 bis 30 % des Gewinns prüfen
Unternehmerpufferzusätzlich 5 bis 10 % für Leerlauf, Zahlungsausfälle oder Nachzahlungen

Das ersetzt keine individuelle Steuerplanung. Es verhindert aber, dass du deinen Preis auf eine Fantasiewelt statt auf die Schweiz kalkulierst.

Rechenbeispiel 1: Webdesignerin im Vollzeit-Freelance-Modell

Ausgangslage

  • gewünschtes privates Netto pro Jahr: CHF 84'000
  • Geschäftskosten pro Jahr: CHF 12'000
  • Reserve AHV/IV/EO: CHF 10'000
  • Reserve Steuern: CHF 22'000
  • Unternehmerpuffer: CHF 8'000
  • fakturierbare Stunden pro Jahr: 1'050

Berechnung

PositionBetrag
Zielnetto privatCHF 84'000
GeschäftskostenCHF 12'000
AHV-ReserveCHF 10'000
SteuerreserveCHF 22'000
PufferCHF 8'000
Benötigter JahresumsatzCHF 136'000

CHF 136'000 / 1'050 Stunden = CHF 129.50

Gerundet ergibt das:

  • Mindest-Stundensatz: ca. CHF 130
  • Tagesansatz bei 6.5 fakturierbaren Stunden: ca. CHF 845

Wenn sie denselben Markt mit CHF 95 pro Stunde bedient, fehlen ihr über das Jahr schnell mehrere zehntausend Franken für Reserve, AHV oder Steuern.

Rechenbeispiel 2: Senior IT-Consultant mit höherem Einkommensziel

Ausgangslage

  • gewünschtes privates Netto pro Jahr: CHF 120'000
  • Geschäftskosten pro Jahr: CHF 20'000
  • Reserve AHV/IV/EO: CHF 14'000
  • Reserve Steuern: CHF 34'000
  • Unternehmerpuffer: CHF 12'000
  • fakturierbare Stunden pro Jahr: 1'150

Berechnung

PositionBetrag
Zielnetto privatCHF 120'000
GeschäftskostenCHF 20'000
AHV-ReserveCHF 14'000
SteuerreserveCHF 34'000
PufferCHF 12'000
Benötigter JahresumsatzCHF 200'000

CHF 200'000 / 1'150 Stunden = CHF 173.90

Gerundet ergibt das:

  • Mindest-Stundensatz: ca. CHF 175
  • Tagesansatz bei 6.5 fakturierbaren Stunden: ca. CHF 1'140

Dieses Beispiel zeigt gut: Nicht nur das Zielnetto zieht den Satz hoch, sondern vor allem die Kombination aus begrenzter Auslastung, hoher Verantwortung und Schweizer Nebenkosten.

Stunden-, Tages- oder Projektpreis?

Der Stundensatz ist oft die Basis. Im Verkauf ist aber nicht immer das Stundenmodell die beste Lösung.

ModellWann es gut passtRisiko
Stundensatzunklare Aufgaben, Support, laufende Zusammenarbeitzu starker Preisvergleich
TagessatzBeratung, Workshops, Interim-MandateTage werden oft mit 8 Stunden überschätzt
Projektpreisklar definierte Ergebnisse, PaketangeboteKalkulationsfehler schlagen direkt auf die Marge

So rechnest du auf einen Tagessatz um

Ein Tagessatz ist nicht automatisch 8 x Stundensatz. Für viele Solo-Selbständige sind 6 bis 7 fakturierbare Stunden pro Kundentag realistischer.

Beispiel:

  • Stundensatz: CHF 130
  • fakturierbare Stunden pro Tag: 6.5
  • Tagessatz: CHF 845

So rechnest du auf einen Projektpreis um

Eine einfache Grundlogik:

geschätzte Projektstunden x Stundensatz + Risikoaufschlag

Beispiel:

  • 18 geschätzte Stunden
  • Stundensatz: CHF 130
  • Basispreis: CHF 2'340
  • Risikoaufschlag 15 %: CHF 351
  • Projektpreis: CHF 2'691

Der Risikoaufschlag ist nicht "teurer machen", sondern Schutz gegen Schleifen, Feedbackrunden, Verzögerungen und deine eigene Schätzungenauigkeit.

Wenn du deinen Preis nicht nur berechnen, sondern auch am Markt testen willst, hilft dir auch der Guide Selbständig machen in der Schweiz mit den ersten Schritten zu Angebot, Kundengesprächen und operativem Start.

Wann du deinen Stundensatz erhöhen solltest

Ein Preis ist nicht für immer richtig. Er muss zu deinem Modell passen, nicht zu deinem Bauchgefühl vor einem Jahr.

Typische Signale für eine Erhöhung:

  • du bist über Monate gut ausgelastet
  • du hast zu viele Anfragen für zu wenig Kapazität
  • dein Leistungsumfang ist klarer und hochwertiger geworden
  • deine Geschäftskosten sind gestiegen
  • du arbeitest heute schneller und wirksamer als früher
  • du willst mehr Reserve für Krankheit, Vorsorge oder Leerlauf aufbauen

Häufige Fehler

1. Mit theoretischen Vollzeitstunden rechnen

Wer mit 40 Stunden pro Woche fakturierbar kalkuliert, setzt seinen Satz fast sicher zu tief an.

2. Steuern und AHV vergessen

Diese beiden Blöcke kommen nicht "irgendwie später", sondern gehören in die Kalkulation von Anfang an.

3. Nur auf Konkurrenzpreise schauen

Ein Satz kann marktüblich wirken und für dein eigenes Modell trotzdem ruinös sein.

4. Ferien, Krankheit und Akquise als Gratiszeit behandeln

Nicht fakturierbare Zeit ist kein Randthema, sondern einer der grössten Hebel in der Preislogik.

5. Tagessatz mit 8 verkaufbaren Stunden rechnen

Ein voller Kalendertag ist nicht automatisch ein voller fakturierbarer Tag.

6. Projektpreise ohne Puffer anbieten

Wenn du keinen Risikoaufschlag einbaust, finanzierst du Korrekturschleifen oft selbst.

Checkliste: Stundensatz sauber kalkulieren

  • Ich habe mein gewünschtes privates Zielnetto pro Jahr definiert.
  • Ich kenne meine jährlichen Geschäftskosten realistisch.
  • Ich plane AHV/IV/EO separat ein.
  • Ich plane Steuern separat ein.
  • Ich rechne mit realistischen fakturierbaren Stunden statt mit Vollzeitfantasien.
  • Ich habe Ferien, Krankheit, Admin, Akquise und Leerlauf eingerechnet.
  • Ich kann meinen Stundensatz in einen Tages- und Projektpreis übersetzen.
  • Ich prüfe meinen Preis regelmässig gegen Auslastung und Marge.

FAQ

Wie viele Stunden pro Jahr kann ein Freelancer realistisch verrechnen?

Das hängt stark vom Modell ab. Für viele Solo-Selbständige in der Schweiz liegen realistische Grössenordnungen eher bei rund 1'000 bis 1'200 fakturierbaren Stunden als bei theoretischen Vollzeitwerten.

Soll ich lieber Stunden-, Tages- oder Projektpreise anbieten?

Der Stundensatz ist oft die Kalkulationsbasis. Im Verkauf funktionieren Tages- und Projektpreise oft besser, wenn Leistung und Scope klar genug sind.

Wie stark beeinflussen Steuern meinen Stundensatz?

Stark. Nicht nur die Einkommenssteuer, sondern auch AHV/IV/EO und dein Wohnkanton beeinflussen, wie viel vom Umsatz am Ende wirklich bei dir bleibt.

Gibt es einen typischen Freelancer-Stundensatz für die Schweiz?

Es gibt Studien und Marktwerte, aber keinen universell richtigen Satz. Ein guter Preis hängt von Positionierung, Erfahrung, Auslastung, Kostenstruktur und deinem persönlichen Modell ab.

Wann ist mein Stundensatz zu tief?

Wenn du trotz guter Auslastung kaum Reserve aufbaust, Steuern und AHV stressen oder jeder Ausfall sofort ein Problem wird, ist dein Satz meist zu tief.

Quellen

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Empfohlene nächste Leitfäden auf Basis von Cluster und Einordnung.

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