Versicherungen & VorsorgeBetrieb4 Min. LesezeitAktualisiert: 13. August 2026
Cluster: Versicherungen & VorsorgeStufe: Betrieb

Ferien als Selbständige:r: Planen, finanzieren und wirklich frei nehmen

Wie du als Selbständige:r Ferien planst und finanzierst: fehlender Lohnausgleich, Rückstellungen, Vertretung, Krankheit und die Psychologie des Abschaltens.

Ferien als Selbständige:r: Das Wichtigste in Kürze

Angestellte haben vier Wochen bezahlte Ferien. Als Selbständige:r hast du denselben Anspruch auf Erholung – aber niemand zahlt sie dir. Ferien müssen geplant, finanziert und vertreten werden. Wer das unterschätzt, arbeitet entweder im Urlaub weiter oder kehrt erschöpft und mit Kundenchaos zurück.

Die Kernpunkte:

  • Ferien finanzieren heisst kalkulieren: Dein Stundensatz bzw. Projektpreis muss die Ferienwochen mittragen – sonst arbeitest du faktisch umsonst.
  • Rückstellungen bilden: Ein separates Konto für Ferien und Feiertage schafft die finanzielle Luft.
  • Vertretung organisieren: Kunden reagieren gelassen, wenn Absenz und Vertretung kommuniziert sind.
  • Krankheit ist das grössere Risiko: Feriengeld lässt sich planen, Erwerbsausfall nicht ohne weiteres – hier hilft die Krankentaggeldversicherung.

Die Ferienrechnung: was eine Woche wirklich kostet

Eine Woche Ferien kostet dich nicht nur den Urlaub – sie kostet die entgangenen Einnahmen plus die laufenden Kosten. Die saubere Rechnung:

  1. Produktive Wochen pro Jahr: 52 Wochen minus Feiertagen (~2 Wochen), minus Ferien (4 Wochen), minus Krankheit/Ausfälle (~2 Wochen) = rund 44 produktive Wochen.
  2. Jahresziel-Einkommen durch produktive Wochen teilen – so entsteht dein Mindesttagessatz.
  3. Beispiel: Ziel-Einkommen CHF 90'000 + Geschäftskosten CHF 20'000 = CHF 110'000 Umsatzbedarf. Bei 44 Wochen sind das CHF 2'500 pro Woche. Eine Ferienwoche «kostet» also CHF 2'500 Einnahmen – die musst du vorher oder nachher erwirtschaften.

Diese Logik steckt im Guide zum Stundensatz berechnen – wer seinen Stundensatz korrekt kalkuliert hat, hat seine Ferien schon eingepreist.

Rückstände bilden: das Ferienkonto

Praktisch bewährt sich ein einfaches System:

  • Monatlich einen Fixbetrag (z. B. 8–10 % der Einnahmen) auf ein separates Sparkonto überweisen – das ist dein Ferien- und Ausfallkonto.
  • Zusätzlich das Steuerrücklage-Konto (20–30 % des Gewinns) und die AHV-Rückstellung pflegen – wie das Zusammenspiel funktioniert, beschreibt der Guide zu AHV und Sozialversicherungen.
  • Möglichst mit Zins und mit lockerer Verfügbarkeit: Das Konto soll gerade unattraktiv genug sein, um nicht geplündert zu werden.

Die Vertretung organisieren

Kunden akzeptieren Ferien – sie akzeptieren keine Funkstille. Bewährte Elemente:

  1. Ankündigung früh: 4–6 Wochen vorab in der laufenden Kommunikation erwähnen.
  2. Autoresponder mit Substitutionsplan: Wer ist erreichbar? Was passiert mit dringenden Anliegen?
  3. Vertretungsperson mit Mandat: Eine vertraute Freelancer-Kollegin mit Kurzbriefing und Kompetenz für Standardfälle – oder ein Notfall-Timeout mit klarer Kommunikation.
  4. Projekte staffeln: Kein Deadline-Abgabe während der Ferienwoche – Verschiebungen im Voraus aushandeln.

Wer regelmässig mit anderen zusammenarbeitet, kann Vertretungen gegenseitig abdecken – ein Modell, das in der Freelancer-Community oft informell entsteht.

Krankheit und andere Ausfälle: der Ernstfall

Ferien sind planbar – Krankheit, Unfall und familiäre Notfälle nicht. Drei Absicherungen:

  • Krankentaggeldversicherung: gleicht Erwerbsausfall bei Krankheit aus (oft ab 14 oder 30 Tagen) – die Grundlagen im Guide zum Krankentaggeld für Selbständige.
  • Unfallversicherung (UVG): für Selbständige freiwillig, aber sinnvoll bei körperlicher Tätigkeit – Details im Guide zur Unfallversicherung.
  • Notfallpuffer: 3 Monate Fixkosten auf dem Ausfallkonto – das ist die eigentliche «Ferienversicherung».

Mutterschaft ist übrigens der einzige Erwerbsausfall mit gesetzlicher Entschädigung auch für Selbständige – der Guide zur Mutterschaftsentschädigung erklärt die Bedingungen.

Die Psychologie: wirklich abschalten

Die grösste Ferien-Hürde ist für viele nicht das Geld, sondern der Kopf:

  • Erwartungen managen: Ein «Ich bin vom 5. bis 19. September abwesend, Antworten folgen ab dem 20.» wirkt professionell, nicht schwach.
  • Handy-Regime: Ein täglicher 15-Minuten-Check statt permanentes Mithören – oder ganz offline.
  • Puffer nach der Rückkehr: Den ersten Tag bewusst frei für Aufräumen und Antworten einplanen.

Häufige Fragen

Wie viele Ferien sind realistisch als Selbständige:r? Was der Markt und dein Cashflow hergeben – 4 Wochen sind ein guter Standard, viele Selbständige nehmen real 2–3 und kompensieren mit kürzeren Pausen übers Jahr.

Kann ich Ferien steuerlich geltend machen? Ferien selbst sind Privatverbrauch und nicht abziehbar. Aber die Rückstellung ist Kapitalbildung, nicht Kosten – abziehbar sind dagegen Weiterbildungs- und klar geschäftsbezogene Auslagen nur bei klarem Geschäftsbezug.

Was passiert mit laufenden Abos während der Ferien? Nichts – Daueraufträge laufen weiter, siehe den Guide zu wiederkehrenden Rechnungen. Genau deshalb gehört ein Liquiditätspuffer vor jede längere Abwesenheit.

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Empfohlene nächste Leitfäden auf Basis von Cluster und Einordnung.

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